
Blutentnahme: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Die Blutentnahme gehört zu den wichtigsten praktischen Fähigkeiten, die du als MFA beherrschen musst. Ob in der Hausarztpraxis, im Krankenhaus oder beim Facharzt – die venöse Blutabnahme ist Alltag. In diesem Artikel lernst du Schritt für Schritt, wie du eine Venenpunktion sicher und professionell durchführst, welche Röhrchen-Reihenfolge du einhalten musst und wie du auch bei schwierigen Venen souverän bleibst.
Keine Sorge: Übung macht den Meister! Mit der richtigen Technik und etwas Routine wirst du schnell sicherer.
Vorbereitung der Blutentnahme
Eine gute Vorbereitung ist das A und O für eine erfolgreiche Blutentnahme. Bevor du zur Nadel greifst, müssen einige wichtige Punkte erledigt sein.
Material bereitlegen
Lege dir alles griffbereit zurecht, bevor der Patient Platz nimmt. Du brauchst:
- Desinfektionsmittel (Hautdesinfektionsspray oder -tupfer)
- Stauschlauch (Tourniquet)
- Einmalhandschuhe (unsteril)
- Kanüle oder Butterfly-Nadel (je nach Venenstatus)
- Röhrchen in der richtigen Reihenfolge (dazu später mehr)
- Tupfer (steril)
- Pflaster oder Fixierverband
- Abwurfbehälter für spitze Gegenstände (Sharps-Container)
- Anforderungsschein mit den gewünschten Laborparametern
Patientenidentifikation
Bevor du startest, musst du sicherstellen, dass du den richtigen Patienten vor dir hast. Frage aktiv nach:
- Vor- und Nachname
- Geburtsdatum
Aufklärung und Einwilligung
Informiere den Patienten kurz über die Blutentnahme. Bei routinemäßigen Blutabnahmen reicht in der Regel eine mündliche Einwilligung. Frage außerdem nach:
- Allergien (z. B. Latexallergie bei Handschuhen)
- Blutverdünnende Medikamente (z. B. Marcumar, Eliquis)
- Nüchternheit, falls für bestimmte Laborwerte erforderlich (z. B. Blutzucker, Cholesterin)
- Frühere Probleme bei der Blutabnahme (Kreislaufprobleme, schwierige Venen)
Die richtige Punktionstechnik
Jetzt wird es praktisch. Folge diesen Schritten für eine saubere Venenpunktion:
Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Hände desinfizieren und Einmalhandschuhe anziehen.
- Arm positionieren: Der Patient streckt den Arm auf einer festen Unterlage aus. Lege ggf. ein kleines Kissen unter die Ellenbeuge, damit der Arm leicht überstreckt ist.
- Stauschlauch anlegen: Lege das Tourniquet ca. 10 cm oberhalb der geplanten Punktionsstelle an. Wichtig: Der Stauschlauch darf maximal eine Minute liegen bleiben, sonst verfälschen sich die Laborwerte.
- Vene auswählen: Taste die Ellenbeuge ab. Die bevorzugten Venen sind:
- Vena mediana cubiti (mittlere Ellenbogenvene) – erste Wahl, da sie gut fixiert liegt
- Vena cephalica (Außenseite) – zweite Wahl
- Vena basilica (Innenseite) – dritte Wahl, Vorsicht: Hier verlaufen Nerven und die Arteria brachialis in der Nähe
- Haut spannen: Fixiere die Vene, indem du die Haut mit dem Daumen der freien Hand ca. 2–3 cm unterhalb der Punktionsstelle nach unten ziehst.
- Punktion durchführen: Führe die Kanüle mit der Schliffseite nach oben in einem Winkel von ca. 15–30 Grad in die Vene ein. Du spürst einen leichten Widerstand, wenn die Nadelspitze die Venenwand durchdringt – das ist der sogenannte „Plopp".
- Röhrchen aufstecken: Stecke das erste Röhrchen auf den Adapter. Bei Butterfly-Nadeln: Warte, bis Blut im Schlauch sichtbar ist.
- Stauschlauch lösen: Sobald das Blut fließt, löse den Stauschlauch. Das wird oft vergessen, ist aber wichtig für korrekte Laborergebnisse.
- Röhrchen wechseln: Wechsle die Röhrchen in der korrekten Reihenfolge (siehe unten). Röhrchen mit Zusätzen nach dem Abnehmen sofort vorsichtig schwenken (3–5 Mal kippen, nicht schütteln!).
- Nadel entfernen: Lege einen Tupfer auf die Einstichstelle und ziehe die Kanüle zügig heraus. Der Patient soll mit dem Tupfer fest drücken (nicht reiben!) und den Arm gestreckt halten.
- Nadel entsorgen: Wirf die Kanüle sofort in den Sharps-Container. Niemals die Schutzkappe wieder aufsetzen (Recapping-Verbot!).
- Pflaster aufkleben und Röhrchen beschriften bzw. Etiketten aufkleben.
Röhrchen-Reihenfolge – warum sie wichtig ist
Die Reihenfolge, in der du die Blutröhrchen befüllst, ist kein Zufall. Sie verhindert, dass Zusatzstoffe aus einem Röhrchen in das nächste verschleppt werden und die Laborergebnisse verfälschen. Diese Reihenfolge solltest du auswendig können:
| Farbe | Zusatz | Verwendung | |-------|--------|------------| | Blutkultur (speziell) | Nährbouillon | Erregernachweis bei Infektionsverdacht | | Hellblau (Citrat) | Natriumcitrat | Gerinnung (Quick, PTT, INR) | | Rot / Weiß (Serum) | Gerinnungsaktivator / ohne Zusatz | Klinische Chemie, Serologie, Hormone | | Grün (Heparin) | Lithium-Heparin | Eilparameter, Elektrolyte | | Lila / Violett (EDTA) | EDTA (Ethylendiamintetraacetat) | Blutbild (Erythrozyten, Leukozyten, Hb, Hkt), HbA1c | | Grau (Fluorid) | Natriumfluorid / Kaliumoxalat | Blutzucker (Glukose), Laktat |
Eselsbrücke: Bitte Carla, Singe Heute Ein Frühlingslied – die Anfangsbuchstaben stehen für Blutkultur, Citrat, Serum, Heparin, EDTA, Fluorid.
Warum ist die Reihenfolge so wichtig?
- Citrat-Röhrchen müssen exakt bis zur Markierung befüllt werden (Mischverhältnis 1:9). Unterfüllung verfälscht Gerinnungswerte massiv.
- EDTA könnte in nachfolgende Röhrchen verschleppt werden und z. B. Kalziumwerte verfälschen.
- Heparin würde Gerinnungsanalysen stören, wenn es ins Citrat-Röhrchen gelangt.
Prüfungstipp: Die Röhrchen-Reihenfolge ist ein absoluter Klassiker in der MFA-Abschlussprüfung. Lerne sie auswendig!
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Tipps für schwierige Venen
Nicht jeder Patient hat gut sichtbare Venen. Gerade am Anfang können „schwierige Arme" verunsichern. Hier sind bewährte Tricks:
Wärme nutzen
Lasse den Patienten die Hand für 2–3 Minuten in warmes Wasser tauchen oder lege einen warmen Waschlappen auf die Ellenbeuge. Wärme weitet die Venen und macht sie besser tastbar.
Schwerkraft einsetzen
Bitte den Patienten, den Arm nach unten hängen zu lassen. Durch die Schwerkraft füllen sich die Venen stärker.
Pumpen lassen
Lass den Patienten die Faust mehrmals öffnen und schließen. Dadurch wird die Durchblutung angeregt. Achtung: Kurz vor der Punktion sollte die Faust locker geschlossen bleiben, damit sich die Laborwerte nicht verfälschen.
Alternative Punktionsstellen
Wenn die Ellenbeuge keine geeignete Vene bietet:
- Handrücken: Hier eignen sich besonders Butterfly-Nadeln (21G oder 23G), da die Venen kleiner sind.
- Unterarm-Innenseite: Manchmal finden sich hier überraschend gute Venen.
- Handgelenk: Nur als letzte Option und mit besonderer Vorsicht (Nerven- und Sehnennähe).
Weitere Tricks
- Vene nicht zu fest anschlagen – leichtes Klopfen reicht aus, um die Vene zu stimulieren.
- Vene tasten statt sehen – eine rollende Vene, die du siehst, ist oft schwieriger zu punktieren als eine gut fixierte, die du nur spürst.
- Ruhig bleiben – deine Nervosität überträgt sich auf den Patienten. Atme durch und nimm dir die Zeit, die du brauchst.
Komplikationen und wie du damit umgehst
Auch bei sorgfältigster Technik können Komplikationen auftreten. Wichtig ist, dass du sie erkennst und richtig reagierst.
Hämatom (blauer Fleck)
Ursache: Die Nadel hat die Vene durchstochen (Doppelpunktion) oder der Patient hat nach dem Ziehen der Nadel den Arm zu früh gebeugt.
Maßnahmen:
- Punktion abbrechen
- Tupfer aufpressen und Kompressionsverband anlegen
- Patienten informieren, dass der blaue Fleck harmlos ist und in wenigen Tagen verschwindet
- Ggf. Kühlung empfehlen
Nervenverletzung
Ursache: Die Nadel hat einen oberflächlichen Hautnerv getroffen. Der Patient berichtet über einen elektrisierenden Schmerz, der in die Hand ausstrahlt.
Maßnahmen:
- Nadel sofort entfernen
- Den Patienten beruhigen
- Niemals an derselben Stelle erneut punktieren
- Vorfall dokumentieren und den Arzt informieren
Synkope (Kreislaufkollaps)
Ursache: Vasovagale Reaktion – manche Patienten reagieren auf den Anblick von Blut oder den Stich mit Schwindel, Übelkeit und Bewusstlosigkeit.
Maßnahmen:
- Nadel entfernen und Punktionsstelle versorgen
- Patienten flach lagern und die Beine hochlegen (Schocklage)
- Frische Luft und etwas zu trinken anbieten
- Vitalzeichen kontrollieren
- Bei Bewusstlosigkeit: Arzt sofort hinzuziehen
Tipp: Frage vor der Blutentnahme immer, ob der Patient schon einmal Probleme hatte. Bei bekannter Kreislaufneigung: Blutabnahme im Liegen durchführen!
Präanalytik – damit die Ergebnisse stimmen
Die beste Punktionstechnik nützt nichts, wenn danach Fehler passieren. Die Präanalytik umfasst alles, was zwischen der Blutentnahme und der eigentlichen Laboranalyse geschieht – und hier gehen die meisten Fehler schief.
Häufige präanalytische Fehler
- Röhrchen zu stark geschüttelt statt vorsichtig geschwenkt: Hämolyse (Zerstörung der roten Blutkörperchen), die viele Werte verfälscht.
- Stauschlauch zu lange angelegt: Hämokonzentration, erhöhte Kalium- und Eiweißwerte.
- Falsche Röhrchen-Reihenfolge: Verschleppung von Zusatzstoffen.
- Röhrchen nicht ausreichend befüllt: Besonders bei Citrat-Röhrchen kritisch.
- Fehlende oder falsche Beschriftung: Das Röhrchen wird im Labor nicht bearbeitet.
Transport und Lagerung
- Proben sollten zeitnah ins Labor transportiert werden – idealerweise innerhalb von 2 Stunden.
- Nicht der Sonne aussetzen oder extremen Temperaturen (Hitze, Frost) – manche Parameter sind temperaturempfindlich.
- Aufrecht transportieren, damit sich das Blut korrekt trennt.
- Bei bestimmten Untersuchungen (z. B. Ammoniak, Laktat) muss die Probe gekühlt transportiert werden.
Qualitätssicherung
In jeder Praxis gibt es ein Qualitätsmanagement-System (QM), das die Abläufe der Blutentnahme standardisiert. Halte dich an die Standard Operating Procedures (SOPs) deiner Praxis. Das schützt dich und den Patienten.
Häufig gestellte Fragen
Darf ich als MFA-Auszubildender selbstständig Blut abnehmen?
Ja, aber nur unter bestimmten Voraussetzungen. Du darfst Blut abnehmen, wenn du dafür angeleitet wurdest und ein Arzt die Tätigkeit an dich delegiert hat. Der Arzt muss sich davon überzeugt haben, dass du die Technik beherrschst. Eigenverantwortliche Blutentnahme ohne ärztliche Delegation ist nicht zulässig.
Was mache ich, wenn ich die Vene nicht treffe?
Bewahre Ruhe. Du darfst die Nadel vorsichtig nachjustieren (leicht zurückziehen und Richtung korrigieren), aber bohre nicht in der Tiefe herum. Wenn der zweite Versuch ebenfalls fehlschlägt, bitte einen erfahrenen Kollegen oder den Arzt um Hilfe. Mehr als zwei Versuche an einem Patienten solltest du als Anfänger nicht unternehmen.
Warum fließt manchmal kein Blut, obwohl die Nadel in der Vene steckt?
Mögliche Ursachen: Die Kanüle liegt an der Venenwand an (leicht drehen oder zurückziehen), die Vene ist kollabiert (Stauschlauch war zu fest oder zu locker), oder die Nadel ist durch die Vene hindurchgestochen. Versuche, die Position der Nadel vorsichtig zu korrigieren.
Muss der Patient für eine Blutentnahme nüchtern sein?
Das kommt auf die angeforderten Laborwerte an. Für Nüchternblutzucker, Cholesterin und Triglyceride sollte der Patient mindestens 8–12 Stunden nichts gegessen haben. Wasser trinken ist in der Regel erlaubt. Für viele andere Werte (z. B. Blutbild, Entzündungswerte) ist Nüchternheit nicht erforderlich.
Welche Kanülengröße wähle ich?
Die Wahl hängt von der Venenbeschaffenheit ab:
- 18G (rosa): Große Vene, viel Blut nötig (z. B. mehrere Röhrchen bei Krankenhausaufnahme)
- 20G (gelb): Standardgröße für die meisten Blutentnahmen
- 21G (grün): Etwas feinere Venen, Butterfly-Systeme
- 22G–23G (blau/hellblau): Zarte Venen (Kinder, ältere Patienten), Butterfly-Systeme
Was ist der Unterschied zwischen Serum und Plasma?
Serum ist der flüssige Anteil des Blutes nach der Gerinnung – das Blut wird in ein Röhrchen ohne Gerinnungshemmer gegeben und gerinnt. Plasma enthält noch die Gerinnungsfaktoren und wird aus Röhrchen mit Gerinnungshemmern (z. B. EDTA, Citrat, Heparin) gewonnen. Je nach Laborparameter wird Serum oder Plasma benötigt.
Die Blutentnahme ist eine Fertigkeit, die du mit jeder Punktion verbesserst. Lass dich von anfänglichen Misserfolgen nicht entmutigen – selbst erfahrene Kollegen treffen nicht immer beim ersten Mal. Wichtig ist, dass du die Theorie beherrschst, die Hygiene einhältst und dich traust, Hilfe zu holen, wenn du unsicher bist.
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Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und Prüfungsvorbereitung. Sie ersetzen nicht die offiziellen Prüfungsunterlagen oder den Unterricht. Trotz sorgfältiger Kontrolle übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.
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