
Allergie-Saison: Häufige Fragen und Aufgaben für MFA
Sobald die ersten Pollen fliegen, merkst du es sofort am Praxisalltag: Das Telefon klingelt häufiger, die Wartezimmer füllen sich mit niesenden und tränenden Patienten, und die Nachfrage nach Allergietests steigt sprunghaft an. Die Allergie-Saison bringt für dich als MFA eine Vielzahl an Aufgaben mit sich – von der Testvorbereitung über die Patientenberatung bis hin zum Notfallmanagement. In diesem Artikel erfährst du, welche Allergieformen dir in der Praxis am häufigsten begegnen, wie du Allergietests professionell durchführst und worauf du bei der Hyposensibilisierung achten musst.
Häufigste Allergien und ihre Symptome
Nicht jede Allergie ist gleich – und je nach Allergietyp unterscheiden sich die Symptome, die Diagnostik und die Behandlung erheblich. Hier ein Überblick über die fünf häufigsten Allergieformen, die dir in der Praxis begegnen:
Pollenallergie (Heuschnupfen): Die mit Abstand häufigste Allergie in Deutschland. Typische Symptome sind Fließschnupfen, Niesattacken, juckende und tränende Augen sowie Abgeschlagenheit. Hauptsaison ist von Februar bis September, wobei Frühblüher wie Hasel und Erle schon ab Januar Probleme bereiten können.
Hausstaubmilbenallergie: Anders als bei Pollen treten die Beschwerden hier ganzjährig auf, verstärkt aber in der Heizperiode. Patienten klagen über verstopfte Nase, Husten und nächtliche Atembeschwerden. Ein wichtiger Hinweis für die Anamnese: Die Symptome sind morgens nach dem Aufstehen oft am schlimmsten.
Tierhaarallergie: Genau genommen reagieren Betroffene nicht auf die Haare selbst, sondern auf Proteine in Speichel, Hautschuppen und Urin der Tiere. Katzenallergene sind besonders aggressiv und können sich über Stunden in der Luft halten.
Nahrungsmittelallergie: Häufige Auslöser sind Nüsse, Milch, Eier, Weizen und Meeresfrüchte. Symptome reichen von Kribbeln im Mund über Hautausschlag bis hin zu schweren anaphylaktischen Reaktionen. Hier ist besondere Vorsicht geboten.
Kontaktallergie: Typisch sind lokale Hautreaktionen auf Nickel, Duftstoffe, Konservierungsmittel oder Latex. Als MFA solltest du auch an eine mögliche eigene Latexallergie denken und bei Bedarf latexfreie Handschuhe verwenden.
Allergietests in der Praxis
Die korrekte Durchführung von Allergietests gehört zu den wichtigsten Aufgaben, die du als MFA in der Allergie-Saison übernimmst. Hier sind die beiden gängigsten Verfahren:
Pricktest – Schritt für Schritt
Der Pricktest ist der Goldstandard der allergologischen Hautdiagnostik. Deine Aufgaben als MFA umfassen dabei den gesamten Ablauf:
- Vorbereitung: Stelle die benötigten Allergenlösungen bereit. Prüfe das Verfallsdatum und die korrekte Lagerung (Kühlkette). Lege außerdem Positiv-Kontrolle (Histamin) und Negativ-Kontrolle (NaCl 0,9 %) bereit.
- Markierung: Markiere die Innenseite des Unterarms mit einem Hautstift. Jedes Testfeld bekommt eine Nummer, die der jeweiligen Allergenlösung zugeordnet ist. Halte einen Abstand von mindestens 2 cm zwischen den Testfeldern ein.
- Applikation: Tropfe je einen Tropfen Allergenlösung auf die markierten Stellen. Anschließend wird mit einer standardisierten Pricklanzette durch den Tropfen hindurch in die oberste Hautschicht gestochen – nicht zu tief, es soll kein Blut fließen.
- Wartezeit und Ablesung: Nach 15 bis 20 Minuten misst du die entstandenen Quaddeln. Dokumentiere Durchmesser und Rötung für jedes Testfeld. Eine Quaddel ab 3 mm Durchmesser (im Vergleich zur Negativkontrolle) gilt als positiv.
- Dokumentation: Trage alle Ergebnisse sorgfältig in die Patientenakte ein. Notiere auch, welche Medikamente der Patient aktuell einnimmt – Antihistaminika müssen mindestens 3 bis 7 Tage vorher abgesetzt werden, da sie das Ergebnis verfälschen.
RAST / spezifisches IgE – die Blutuntersuchung
Wenn ein Pricktest nicht möglich ist, kommt die Bestimmung des spezifischen IgE im Blut zum Einsatz. Das ist besonders dann der Fall, wenn:
- der Patient Antihistaminika nicht absetzen kann
- eine schwere Hauterkrankung (z. B. ausgedehntes Ekzem) die Hauttestung unmöglich macht
- bei Verdacht auf eine schwere Allergie das Risiko einer Hauttestung zu hoch ist
- Kinder getestet werden sollen, bei denen ein Hauttest schwer durchführbar ist
Hyposensibilisierung – Ablauf und MFA-Aufgaben
Die spezifische Immuntherapie (SIT) ist die einzige ursächliche Behandlung von Allergien. Als MFA bist du in den gesamten Prozess eingebunden:
SCIT (subkutane Immuntherapie): Bei dieser Form spritzt der Arzt das Allergen in ansteigender Dosierung unter die Haut. Die Aufdosierungsphase dauert in der Regel 8 bis 16 Wochen, danach folgt die Erhaltungsphase mit monatlichen Injektionen über 3 bis 5 Jahre.
SLIT (sublinguale Immuntherapie): Hier nimmt der Patient Tropfen oder Tabletten unter die Zunge. Die erste Einnahme erfolgt in der Praxis, danach wendet der Patient das Präparat zu Hause an.
Deine konkreten Aufgaben bei der Hyposensibilisierung:
- Terminmanagement: Plane die Injektionstermine vorausschauend. Besonders in der Aufdosierungsphase sind regelmäßige Abstände wichtig. Erinnere Patienten rechtzeitig an ihre Termine.
- Überwachung: Nach jeder SCIT-Injektion muss der Patient mindestens 30 Minuten in der Praxis bleiben. Kontrolliere die Injektionsstelle auf Schwellungen und frage aktiv nach Beschwerden.
- Dokumentation: Protokolliere Datum, Dosis, Charge und Arm (es wird seitenalternierend gespritzt) sowie eventuell aufgetretene Lokalreaktionen.
- Reaktionserkennung: Achte auf Warnzeichen wie zunehmende Rötung an der Injektionsstelle, Juckreiz am ganzen Körper, Atemnot oder Kreislaufbeschwerden. Bei Verdacht auf eine systemische Reaktion informiere sofort den Arzt.
Notfallmanagement bei allergischen Reaktionen
Allergische Reaktionen können in der Praxis jederzeit auftreten – nicht nur bei Allergietests, sondern auch bei Medikamentengaben oder Impfungen. Kenne die Abstufungen und die jeweiligen Maßnahmen:
Milde Reaktion (Grad I): Juckreiz, Urtikaria, leichte Hautrötung. Maßnahme: Antihistaminikum verabreichen (nach ärztlicher Anordnung), Patienten beobachten.
Moderate Reaktion (Grad II): Zusätzlich Übelkeit, Bauchkrämpfe, leichte Atemnot, Blutdruckabfall. Maßnahme: Kortison i.v. nach ärztlicher Anordnung, Vitalzeichenkontrolle, Patienten hinlegen.
Schwere Anaphylaxie (Grad III-IV): Starke Atemnot, Kreislaufschock, Bewusstlosigkeit. Maßnahme: Sofort den Arzt rufen, Adrenalin-Autoinjektor bereithalten, Notruf 112 absetzen, Schocklagerung, Sauerstoffgabe.
Stelle sicher, dass du den Standort des Notfallkoffers und des Adrenalin-Autoinjektors in deiner Praxis jederzeit kennst. Regelmäßiges Notfalltraining ist unerlässlich. Mehr zum Thema findest du in unserem Artikel zum Notfallmanagement in der Arztpraxis.
Häufige Patientenfragen – und wie du antworten kannst
In der Allergie-Saison wirst du immer wieder mit ähnlichen Fragen konfrontiert. Hier sind Antworten, die du Patienten geben kannst – natürlich immer mit dem Hinweis, dass die endgültige Beratung durch den Arzt erfolgt:
"Darf ich meine Allergietabletten vor dem Test weiternehmen?" Nein, Antihistaminika müssen je nach Präparat 3 bis 7 Tage vor einem Pricktest abgesetzt werden. Informiere den Patienten schon bei der Terminvergabe darüber. Für einen Bluttest (IgE-Bestimmung) ist das Absetzen nicht nötig.
"Wie lange dauert eine Hyposensibilisierung?" Die Behandlung erstreckt sich in der Regel über 3 bis 5 Jahre. Das klingt lang, ist aber die einzige Therapie, die die Ursache der Allergie bekämpft und nicht nur die Symptome lindert. Viele Patienten spüren schon nach der ersten Saison eine deutliche Besserung.
"Was sind Kreuzallergien?" Bestimmte Pollenallergiker reagieren auch auf bestimmte Nahrungsmittel, weil die Eiweiße sich ähneln. Birkenpollenallergiker vertragen zum Beispiel oft keine rohen Äpfel, Haselnüsse oder Kirschen. Verweise für eine ausführliche Beratung an den Arzt.
"Kann man Allergien auch im Alter noch bekommen?" Ja, Allergien können in jedem Lebensalter erstmalig auftreten. Auch eine Verschlechterung bestehender Allergien oder ein sogenannter Etagenwechsel (von Heuschnupfen zu allergischem Asthma) ist möglich.
Abrechnungsaspekte der Allergiediagnostik
Auch die korrekte Abrechnung gehört zu deinen Aufgaben. Hier die wichtigsten EBM-Ziffern im Überblick:
- Pricktest (GOP 30110): Abrechenbar pro Sitzung, umfasst bis zu 20 Testungen. Bei mehr als 20 Allergenen wird die Ziffer zweimal angesetzt.
- Spezifisches IgE (GOP 32427): Abrechnung pro Allergen. Beachte die Höchstgrenzen im Laborbudget.
- Hyposensibilisierung (GOP 30130): Abrechenbar pro Behandlungstag, einschließlich der 30-minütigen Nachbeobachtung.
- Notfallbehandlung: Bei anaphylaktischen Reaktionen können zusätzliche Notfallziffern angesetzt werden.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Wann ist die beste Zeit für einen Allergietest? Der Pricktest sollte idealerweise außerhalb der akuten Allergiesaison durchgeführt werden, also im Herbst oder Winter. In der akuten Phase kann die Haut überreagieren und die Ergebnisse verfälschen. Ein Bluttest ist dagegen jederzeit möglich.
Wie lagere ich Allergenlösungen richtig? Allergenlösungen müssen gekühlt bei 2 bis 8 Grad Celsius aufbewahrt werden. Kontrolliere regelmäßig das Verfallsdatum und dokumentiere die Kühlschranktemperatur. Nach Anbruch gilt eine verkürzte Haltbarkeit – beachte die Herstellerangaben.
Was mache ich, wenn ein Patient nach der Hyposensibilisierung nicht 30 Minuten warten will? Erkläre dem Patienten freundlich, aber bestimmt, dass die Wartezeit seiner Sicherheit dient. Schwere Reaktionen treten meist innerhalb der ersten 30 Minuten auf. Dokumentiere es, wenn ein Patient die Praxis vorzeitig verlässt – gegen ärztlichen Rat.
Darf ich als MFA den Pricktest selbstständig durchführen? Das Aufbringen der Allergenlösungen und das Ablesen der Ergebnisse kannst du nach Einweisung und Delegation durch den Arzt übernehmen. Die Befundinterpretation und die Therapieentscheidung bleiben ärztliche Aufgaben. Die Delegation muss dokumentiert sein.
Wie erkenne ich den Unterschied zwischen einer harmlosen Lokalreaktion und einer beginnenden Anaphylaxie nach der Hyposensibilisierung? Eine harmlose Lokalreaktion zeigt sich als Rötung und Schwellung an der Injektionsstelle, die sich nicht weiter ausbreitet. Alarmzeichen für eine systemische Reaktion sind: Juckreiz an Handflächen und Fußsohlen, Hitzegefühl, Engegefühl im Hals, Atemnot, Schwindel oder Übelkeit. Im Zweifel informiere sofort den Arzt.
Welche Rolle spielt die MFA bei der Patientenedukation? Du bist oft die erste Ansprechperson und kannst Patienten grundlegende Hinweise geben: zum Beispiel zur Pollenflug-App, zum richtigen Lüftungsverhalten, zum Waschen der Haare vor dem Schlafengehen oder zum Vermeiden von Kreuzallergenen. Eine gute Patientenberatung steigert die Therapietreue erheblich.
Die Allergie-Saison ist für dich als MFA eine arbeitsintensive, aber auch fachlich spannende Zeit. Je besser du dich mit den Testverfahren, der Hyposensibilisierung und dem Notfallmanagement auskennst, desto sicherer und kompetenter kannst du deine Patienten betreuen. Nutze unseren Lernbereich, um dein Wissen rund um Allergien und andere praxisrelevante Themen zu vertiefen.
Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und Prüfungsvorbereitung. Sie ersetzen nicht die offiziellen Prüfungsunterlagen oder den Unterricht. Trotz sorgfältiger Kontrolle übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.
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