Fachwissen
09.10.2026
Aktualisiert am 28.08.2026
MFA Prüfungsfit Redaktion

MFA beim Internisten: Kardiologie, Gastro und mehr

Die Innere Medizin ist eines der vielfältigsten Fachgebiete, in denen du als MFA arbeiten kannst. Vom schlagenden Herzen über den gesamten Verdauungstrakt bis hin zur Lunge und dem Stoffwechsel – kaum ein anderes Arbeitsumfeld bietet dir so viel Abwechslung. In einer internistischen Praxis wirst du täglich mit unterschiedlichsten Untersuchungen, Geräten und Patientengruppen konfrontiert. Das macht die Arbeit anspruchsvoll, aber auch unglaublich spannend.

In diesem Artikel erfährst du, welche Aufgaben dich in den verschiedenen Schwerpunkten der Inneren Medizin erwarten – von der Kardiologie über die Gastroenterologie bis zur Diabetologie. Du bekommst praxisnahes Wissen, das dir im Arbeitsalltag und in der Prüfungsvorbereitung hilft.

Kardiologie – EKG, Belastungs-EKG, Langzeit-EKG und Langzeit-RR

Die Kardiologie ist für viele MFA das Herzstück der internistischen Praxis – im wahrsten Sinne des Wortes. Hier dreht sich alles um die Diagnostik und Überwachung des Herz-Kreislauf-Systems.

Ruhe-EKG

Das Ruhe-EKG gehört zu deinen täglichen Standardaufgaben. Du legst die zehn Elektroden nach dem Einthoven- und Wilson-Schema korrekt an, achtest auf guten Hautkontakt und weist den Patienten an, ruhig zu liegen und gleichmäßig zu atmen. Artefakte durch Muskelzittern oder lockere Elektroden erkennst du sofort und behebst sie, bevor du den Ausdruck an den Arzt weitergibst. Eine detaillierte Anleitung dazu findest du in unserem Beitrag EKG schreiben: Anleitung für MFA.

Belastungs-EKG (Ergometrie)

Beim Belastungs-EKG begleitest du den gesamten Untersuchungsablauf. Du bereitest das Ergometer vor, klebst die Elektroden besonders sorgfältig (hier ist Schweiß ein häufiges Problem – Hautentfettung mit Alkoholtupfer ist Pflicht) und überwachst während der Belastung kontinuierlich die Vitalzeichen. Du dokumentierst Blutdruck, Herzfrequenz und subjektive Beschwerden des Patienten in jeder Belastungsstufe. Abbruchkriterien wie Angina pectoris, Dyspnoe, Blutdruckabfall oder signifikante ST-Streckenveränderungen musst du kennen und dem Arzt sofort melden.

Langzeit-EKG

Beim Langzeit-EKG (meist 24 Stunden) legst du dem Patienten die Klebeelektroden an und schließt den tragbaren Rekorder an. Besonders wichtig ist die gründliche Patienteninstruktion: Du erklärst, dass der Patient ein Protokoll führen soll (Aktivitäten, Beschwerden, Schlafenszeiten), dass Duschen nicht erlaubt ist und dass das Gerät am nächsten Tag zur Auswertung zurückgebracht werden muss. Am Folgetag liest du die Daten aus und bereitest den Bericht für die ärztliche Befundung vor.

Langzeit-Blutdruckmessung (Langzeit-RR)

Auch die 24-Stunden-Blutdruckmessung legst du als MFA selbstständig an. Darauf gehen wir weiter unten in einem eigenen Abschnitt ausführlich ein.

Gastroenterologie – Assistenz bei der Endoskopie

In einer gastroenterologisch ausgerichteten Praxis oder Klinikambulanz wirst du regelmäßig bei endoskopischen Untersuchungen assistieren. Das erfordert Sorgfalt, Einfühlungsvermögen und gute organisatorische Fähigkeiten.

Gastroskopie (Magenspiegelung)

Vor der Gastroskopie stellst du sicher, dass der Patient nüchtern ist. Nach der S3-Leitlinie „Sedierung in der gastrointestinalen Endoskopie" (DGVS/DGAI, Stand 2023) gelten mindestens 6 Stunden Nahrungskarenz für feste Kost und mindestens 2 Stunden für klare Flüssigkeiten (Wasser, klarer Tee, Apfelsaft ohne Fruchtfleisch). Du bereitest die Aufklärungsbögen vor, hilfst dem Patienten beim Anlegen des Mundschutzes mit Beißring und sorgst für die Rachenlokalanästhesie mit Lidocain-Spray, falls keine Sedierung geplant ist.

Koloskopie (Darmspiegelung)

Bei der Koloskopie ist die Patientenvorbereitung besonders aufwendig. Du erklärst den Ablauf der Darmreinigung (Trinken der Abführlösung am Vortag), beantwortest Fragen zur Ernährung in den Tagen vor der Untersuchung und weist auf die Notwendigkeit einer Begleitperson hin, falls eine Sedierung erfolgt.

Während der Untersuchung

Bei beiden Verfahren überwachst du die Vitalparameter (Sauerstoffsättigung, Herzfrequenz, Blutdruck) während der Sedierung mit Propofol oder Midazolam. Du assistierst dem Arzt bei der Bedienung des Endoskops, reichst Biopsiezangen an und beschriftest die entnommenen Gewebeproben korrekt mit Entnahmestelle und Patientendaten. Die Proben werden in Formalinlösung fixiert und an die Pathologie versandt.

Aufwachüberwachung

Nach der Untersuchung übernimmst du die Aufwachüberwachung. Du kontrollierst die Vitalzeichen in regelmäßigen Abständen, achtest auf Komplikationszeichen wie Nachblutungen oder Kreislaufprobleme und entlässt den Patienten erst, wenn er stabil ist und eine Begleitperson anwesend ist.

Pneumologie – Lungenfunktionstest (Spirometrie)

Die Spirometrie ist eine der Untersuchungen, die du als MFA häufig eigenständig durchführst. Sie dient der Diagnostik und Verlaufskontrolle von Erkrankungen wie Asthma bronchiale und COPD.

Patientenanleitung

Die Qualität der Spirometrie steht und fällt mit deiner Anleitung. Du erklärst dem Patienten: „Atme tief ein, so viel wie möglich, und dann so schnell und so kräftig wie du kannst in das Mundstück ausatmen – bis wirklich keine Luft mehr in der Lunge ist." Eine Nasenklemme verhindert das Entweichen von Luft durch die Nase. Mindestens drei reproduzierbare Messungen solltest du durchführen.

Häufige Fehler

Typische Fehlerquellen, die du kennen solltest: vorzeitiger Abbruch der Ausatmung, zu langsamer Beginn der forcierten Exspiration, Husten während der Messung oder ein undichtes Mundstück. Diese Fehler erkennst du an der Fluss-Volumen-Kurve und wiederholst die Messung.

Basisinterpretation

Zwei Werte solltest du grundlegend einordnen können: FEV1 (forciertes exspiratorisches Volumen in einer Sekunde) und FVC (forcierte Vitalkapazität). Der Tiffeneau-Index (FEV1/FVC) hilft bei der Unterscheidung: Ein erniedrigter Wert spricht für eine obstruktive Ventilationsstörung (z. B. COPD), während eine proportionale Reduktion beider Werte auf eine restriktive Störung hindeutet. Als Schwellenwert wird traditionell FEV1/FVC < 0,70 verwendet (GOLD-Definition). Die Atemwegsliga sowie ATS/ERS empfehlen jedoch zunehmend die Beurteilung gegenüber dem unteren Grenzwert (Lower Limit of Normal, LLN) auf Basis der GLI-Referenzwerte (Global Lung Function Initiative), weil der starre 70 %-Schwellenwert ältere Patienten überdiagnostizieren und jüngere unterdiagnostizieren kann.

Diabetologie – DMP, Schulungen und BZ-Messungen

In vielen internistischen Praxen nimmt die Betreuung von Diabetes-Patienten einen großen Raum ein. Als MFA bist du hier eine zentrale Ansprechperson.

Disease Management Programme (DMP)

Die strukturierten Behandlungsprogramme für Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 erfordern regelmäßige Dokumentation. Du koordinierst die Recall-Termine, stellst sicher, dass alle erforderlichen Untersuchungen (Augenarzt-Überweisung, Fußinspektion, Laborkontrollen) fristgerecht durchgeführt werden, und pflegst die DMP-Dokumentationsbögen.

Patientenschulungen

Viele Praxen bieten strukturierte Diabetesschulungen an. Du unterstützt bei der Organisation, bereitest Schulungsmaterialien vor und führst nach entsprechender Fortbildung auch selbst Einzelschulungen durch – etwa zur korrekten Blutzuckerselbstmessung oder Insulininjektion.

Blutzucker und HbA1c

Die kapilläre BZ-Messung führst du routiniert durch. Du kennst die Normwerte (nüchtern unter 100 mg/dl, postprandial unter 140 mg/dl) und weißt, dass der HbA1c-Wert den Langzeit-Blutzucker der letzten acht bis zwölf Wochen widerspiegelt. Du planst die quartalsweisen HbA1c-Kontrollen und erinnerst Patienten an ausstehende Termine.

Fußinspektion

Ein oft unterschätzter Bereich: Du erinnerst aktiv an die jährliche Fußinspektion beim Diabetiker und dokumentierst den Pulsstatus sowie das Ergebnis der Sensibilitätsprüfung (z. B. mit dem Monofilament).

Langzeit-Blutdruckmessung anlegen und auswerten

Die 24-Stunden-Blutdruckmessung (ABDM – ambulantes Blutdruckmonitoring) ist eine häufige Untersuchung in der internistischen Praxis, die du als MFA von A bis Z betreust.

Manschette und Anlage

Wähle die richtige Manschettengröße anhand des Oberarmumfangs (Standard: 22–32 cm, bei kräftigen Oberarmen die große Manschette 32–42 cm). Die Manschette sitzt am nicht-dominanten Arm, die Markierung über der Arteria brachialis. Prüfe mit einer Testmessung, ob das Gerät korrekt auslöst.

Patienteninstruktion

Erkläre dem Patienten: Das Gerät misst tagsüber alle 15 Minuten und nachts alle 30 Minuten. Bei jeder Messung soll der Arm ruhig gehalten und locker herabhängen gelassen werden. Schwere körperliche Arbeit ist zu vermeiden. Ein Protokoll über Aktivitäten, Medikamenteneinnahme und Schlafzeiten ist hilfreich für die Auswertung.

Häufige Fehler

Typische Probleme sind eine zu lockere Manschette, Verrutschen während der Nacht, Bewegungsartefakte und das Abknicken des Schlauchs. Weise den Patienten darauf hin, dass bei einer Fehlmessung das Gerät automatisch nach zwei Minuten erneut misst.

Berichterstellung

Nach dem Auslesen bereitest du den Bericht vor: Tagesmittelwert (Norm unter 135/85 mmHg), Nachtmittelwert (Norm unter 120/70 mmHg) und 24-Stunden-Mittelwert (Norm unter 130/80 mmHg). Du markierst auffällige Werte und das Dipping-Verhalten (physiologischer Blutdruckabfall in der Nacht um mindestens 10 %).

Laborbesonderheiten beim Internisten

In der internistischen Praxis begegnen dir spezielle Laborparameter, die über das Standardlabor hinausgehen. Einen umfassenden Überblick über Laborwerte findest du in unserem Artikel Laborwerte verstehen für MFA.

Troponin

Der wichtigste Marker bei Verdacht auf Herzinfarkt. Hochsensitives Troponin (hs-Troponin T oder I) wird als Notfallparameter bestimmt. Bereits kleinste Erhöhungen sowie eine relevante Kinetik (Anstieg oder Abfall) können klinisch relevant sein. Aktuelle Standardpraxis nach den ESC-Leitlinien zum NSTE-ACS (2023) ist der 0/1-Stunden-Algorithmus (Klasse-I-Empfehlung): Eine zweite Bestimmung erfolgt bereits eine Stunde nach der ersten Probe. Alternativ wird ein 0/2-Stunden-Algorithmus zugelassen. Die früher übliche Wiederholungsmessung nach drei bis sechs Stunden ist mit hochsensitiven Assays nicht mehr Standard.

BNP / NT-proBNP

Diese natriuretischen Peptide dienen der Diagnostik und Verlaufskontrolle der Herzinsuffizienz. Erhöhte Werte zeigen eine Volumenbelastung des Herzens an. Du solltest wissen, dass die Werte alters- und geschlechtsabhängig sind und bei Niereninsuffizienz falsch hoch ausfallen können.

HbA1c

Wie oben beschrieben, der zentrale Parameter in der Diabetologie. Zielwert meist unter 7,0 % (53 mmol/mol), individuell kann er aber abweichen.

Lipidprofil

Gesamtcholesterin, LDL, HDL und Triglyceride – essenziell für die kardiovaskuläre Risikobeurteilung. Für die Triglyceride sollte der Patient nüchtern sein (zwölf Stunden Nahrungskarenz). Die korrekte Blutentnahme lernst du in unserem Artikel Blutentnahme: Anleitung für MFA.

Calprotectin (Stuhl)

Ein fäkaler Entzündungsmarker, der in der Gastroenterologie zur Unterscheidung zwischen funktionellen Darmbeschwerden (Reizdarmsyndrom) und chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) eingesetzt wird. Du gibst dem Patienten das Stuhlröhrchen mit und erklärst die korrekte Probengewinnung.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Brauche ich eine spezielle Weiterbildung, um in einer internistischen Praxis zu arbeiten? Nein, die reguläre MFA-Ausbildung qualifiziert dich grundsätzlich für die Arbeit beim Internisten. Viele Praxen bieten jedoch interne Einarbeitungen an, und Fortbildungen in Bereichen wie EKG, Spirometrie oder Diabetesassistenz sind sehr empfehlenswert und verbessern deine Karrierechancen.

Darf ich als MFA eigenständig ein EKG befunden? Nein, die Befundung ist eine ärztliche Aufgabe. Du darfst das EKG aber schreiben, auf technische Qualität prüfen und offensichtliche Auffälligkeiten (z. B. absolute Arrhythmie, Extrasystolen) dem Arzt melden. Eine gute Vorbereitung für dieses Thema findest du in unserem Lernbereich.

Was mache ich, wenn ein Patient während des Belastungs-EKG Brustschmerzen bekommt? Informiere sofort den Arzt, stoppe die Belastung und lasse den Patienten sitzen oder liegen. Überwache weiterhin die Vitalzeichen und halte den Notfallkoffer bereit. Brustschmerzen sind ein absolutes Abbruchkriterium.

Wie viele Messungen brauche ich bei der Spirometrie für ein valides Ergebnis? Für die Spirometrie sind mehrere technisch akzeptable Messungen und Reproduzierbarkeitskriterien erforderlich. Die konkrete Durchführung richtet sich nach aktueller SOP, Gerätevorgaben und fachlichem Standard; die ATS/ERS-Standardisierung beschreibt die Qualitätskriterien im Detail.1

Welche Rolle spielt die MFA im DMP Diabetes? Du bist die organisatorische Schaltzentrale: Recall-Management, Terminplanung, Dokumentation, Laborvorbereitung und Patientenschulungen gehören zu deinen Kernaufgaben. Viele Praxen setzen MFA mit der Fortbildung zum Diabetesassistenten DDG gezielt für die Patientenbetreuung ein.

Warum ist die Manschettengröße bei der Langzeit-Blutdruckmessung so wichtig? Eine zu kleine Manschette liefert falsch hohe Werte, eine zu große Manschette falsch niedrige Werte. Da die 24-Stunden-Messung die Grundlage für Therapieentscheidungen bildet, können falsche Messwerte zu einer Über- oder Untertherapie führen. Miss daher immer den Oberarmumfang und dokumentiere die verwendete Manschettengröße.

Quellen

  1. [Einzelquelle] Graham, B. L. et al. (2019): „Standardization of Spirometry 2019 Update. An Official ATS and ERS Technical Statement“. https://doi.org/10.1164/rccm.201908-1590ST ↩

Hinweis: Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz erstellt und redaktionell geprüft. Die Inhalte dienen der allgemeinen Information und Prüfungsvorbereitung. Sie ersetzen nicht die offiziellen Prüfungsunterlagen oder den Unterricht. Trotz sorgfältiger Kontrolle übernehmen wir keine Gewähr für Vollständigkeit und Richtigkeit.

Start nicht verpassen

Sichere dir den Einführungspreis für unsere Lernpakete.

Kein Abo. Nur eine Info zum Start.

Kostenlos lernen

Quizze, Lernkarten & Merkblätter

Zum Lernbereich

Bereit für deine MFA-Prüfung?

Lernmaterialien und Übungsfragen für MFA-Azubis