Praktische Anleitungen Hygiene Händedesinfektion: Die richtige Technik

Händedesinfektion: Die richtige Technik

Hygienische Händedesinfektion im Gesundheitswesen: WHO-„Fünf Momente", Einreibetechnik nach EN 1500, Einwirkzeit (mind. 30 Sek.), Hautschutzplan – nach RKI-/KRINKO-Empfehlungen und TRBA 250.

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Updated: 2026-05-07

Die hygienische Händedesinfektion ist die wichtigste Einzelmaßnahme zur Verhütung nosokomialer Infektionen[^1]. Sie wird mit alkoholischem Händedesinfektionsmittel nach der Standardtechnik EN 1500 durchgeführt, mit einer Einwirkzeit von in der Regel 30 Sekunden[^2]. Maßgeblich für Indikation und Organisation sind die „Fünf Momente der Händehygiene“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO)[^1] sowie die KRINKO-Empfehlungen des Robert Koch-Instituts; arbeitsrechtlich greifen die TRBA 250 und die Biostoffverordnung[^3][^4].


Kurz & knapp

- Standardverfahren: alkoholische Händedesinfektion (≥ 60–80 % Ethanol oder Isopropanol)
- Indikationen: „Fünf Momente“ der WHO[^1]
- Einreibetechnik: sechs Schritte nach EN 1500[^2]
- Einwirkzeit: in der Regel 30 Sekunden für die hygienische Händedesinfektion (Hände müssen währenddessen vollständig benetzt bleiben)
- Mindestmenge: 3 ml (etwa zwei vollständige Pumpenhübe), Hände müssen während der Einwirkzeit feucht bleiben
- Voraussetzungen: kurze, unlackierte Naturnägel, kein Schmuck an Händen und Unterarmen
- Hautschutzplan: Vorgabe nach Biostoffverordnung; Hautschutz vor Arbeit, Händedesinfektion zwischendurch, Hautpflege nach Arbeit
- Rechtsrahmen: RKI-/KRINKO-Empfehlungen[^3], TRBA 250[^4], BioStoffV[^5]

Grundlagen

Warum Händedesinfektion

Hände sind der wichtigste Übertragungsweg für Krankheitserreger im Gesundheitswesen. Studien zeigen, dass eine konsequent umgesetzte Händedesinfektion nosokomiale Infektionen substanziell reduziert – mit unmittelbarem Nutzen für Patientensicherheit und Personalschutz[^1][^3].

Unterschied zwischen Händewaschen und Händedesinfektion

  • Händewaschen mit Wasser und Seife dient der Reinigung sichtbarer Verschmutzungen; es entfernt nur einen Teil der Mikroorganismen
  • Händedesinfektion mit alkoholischem Mittel führt zu einer Keimreduktion um mehrere Log-Stufen und ist die Standardmaßnahme im Gesundheitswesen
  • bei sichtbarer Verschmutzung: erst waschen, dann desinfizieren
  • bei Kontakt mit Clostridioides-difficile-Sporen oder Noroviren: zusätzlich Händewaschen, da Alkohol diese Erreger nicht ausreichend inaktiviert

Die fünf Momente der Händehygiene (WHO)

Die WHO definiert fünf klar abgegrenzte Indikationen für die Händedesinfektion[^1]:

Moment 1 – Vor Patientenkontakt

  • vor jedem direkten Kontakt mit einer Patientin / einem Patienten
  • Schutz vor Übertragung von Erregern aus der Umgebung auf die Person
  • Beispiele: Händedruck, Vitalzeichenmessung, Lagerung

Moment 2 – Vor aseptischen Tätigkeiten

  • unmittelbar vor invasiven Tätigkeiten oder Manipulationen an sterilen Materialien
  • Schutz vor Übertragung von Erregern in normalerweise sterile Bereiche
  • Beispiele: Blutentnahme, Injektion, Wundversorgung, Anlegen eines Katheters

Moment 3 – Nach Kontakt mit potenziell infektiösem Material

  • nach Kontakt mit Körperflüssigkeiten, Sekreten, Exkreten, kontaminierten Materialien
  • auch unmittelbar nach Handschuhwechsel
  • Beispiele: nach Wundversorgung, Verbandwechsel, Stuhl-/Urin-Diagnostik

Moment 4 – Nach Patientenkontakt

  • nach jedem direkten Kontakt mit der Person
  • Schutz vor Übertragung in die Umgebung der Praxis
  • gilt auch nach Handschuhentfernung

Moment 5 – Nach Kontakt mit der Patientenumgebung

  • nach Berührung von Gegenständen im unmittelbaren Patientenumfeld, ohne dass die Person selbst berührt wurde
  • Beispiele: Bett, Beistelltisch, Behandlungsliege, Geräte

Die richtige Technik (EN 1500)

Die Standardisierung der Einreibetechnik folgt der EN 1500[^2]:

Sechs Schritte

  1. Handfläche auf Handfläche – kreisendes Verteilen
  2. rechte Handfläche über linkem Handrücken und umgekehrt – mit verschränkten Fingern
  3. Handfläche auf Handfläche mit verschränkten, gespreizten Fingern
  4. Außenseite der Finger auf gegenüberliegende Handfläche – mit verhakten Fingern
  5. kreisendes Reiben des Daumens mit umschlossener Handfläche, jeweils einmal links und rechts
  6. kreisendes Reiben der Fingerkuppen in der gegenüberliegenden Handfläche, jeweils einmal links und rechts
Anschließend Hände trocknen lassen – nicht abwischen, nicht abblasen, nicht mit Tüchern abtrocknen.

Einwirkzeit und Menge

  • Einwirkzeit: in der Regel 30 Sekunden für die hygienische Händedesinfektion; verlängerte Einwirkzeit bei speziellen Indikationen (z. B. virussichere Desinfektion gegen unbehüllte Viren oft 60 Sekunden – Herstellerangaben beachten)
  • Mindestmenge: etwa 3 ml alkoholisches Mittel (zwei vollständige Pumpenhübe einer Standardpumpe)
  • Hände müssen während der gesamten Einwirkzeit vollständig benetzt sein – ggf. nachdosieren
  • bei chirurgischer Händedesinfektion (vor sterilen Eingriffen) verlängerte Einwirkzeit (in der Regel 90 Sekunden) und vorherige Reinigung

Voraussetzungen

Schmuck und Nägel

  • kein Schmuck an Händen und Unterarmen (Ringe, Armbänder, Uhren) – die Stelle unter dem Schmuck kann nicht ausreichend desinfiziert werden
  • kurze, unlackierte Naturnägel
  • keine künstlichen Nägel, Gel- oder Shellac-Nägel – sie sind unter dem Mikroskop häufig stark mit Mikroorganismen besiedelt
  • gepflegter Hautzustand der Hände, intakte Haut

Räumliche Verfügbarkeit

  • Spender mit Händedesinfektionsmittel an jedem Behandlungsplatz, am Empfang und in jedem Behandlungsraum
  • berührungslose Spender bevorzugen
  • regelmäßige Kontrolle von Füllstand und Verfallsdatum

Häufige Fehler

  • Fingerkuppen, Daumen, Fingerzwischenräume und Nagelfalze werden vergessen
  • zu kurze Einwirkzeit – Hände schon nach 10–15 Sekunden trocken
  • zu wenig Desinfektionsmittel verwendet
  • Tragen von Schmuck oder künstlichen Nägeln
  • Händewaschen direkt nach Desinfektion (entfernt den Alkohol von der Haut)
  • Verwechslung von Hände-, Flächen- und Instrumentendesinfektion – Mittel sind nicht austauschbar

Hautschutzplan

Der Hautschutzplan ist nach Biostoffverordnung (§ 14 BioStoffV) und TRBA 250 verpflichtend[^4][^5]; er regelt:

  • Hautschutz vor Arbeitsbeginn (Hautschutzcreme an exponierten Stellen)
  • Händedesinfektion während der Arbeit (alkoholisches Mittel nach den fünf Momenten)
  • Hautreinigung bei sichtbarer Verschmutzung
  • Hautpflege nach Arbeitsende (rückfettende Pflegecreme)
  • regelmäßige Mitarbeiterunterweisung und Bereitstellung der Mittel durch den Arbeitgeber
Eine intakte Hautbarriere ist Voraussetzung für die Wirksamkeit der Händedesinfektion und für den Schutz der Mitarbeitenden vor berufsbedingten Hauterkrankungen.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wie lange dauert eine Händedesinfektion? Die hygienische Händedesinfektion dauert in der Regel 30 Sekunden bei vollständiger Benetzung[^2]. Verlängerte Einwirkzeiten (60 Sek. oder mehr) gelten bei besonderen Indikationen – die jeweiligen Herstellerangaben sind verbindlich.

Was ist besser – Händewaschen oder Händedesinfektion? Händedesinfektion ist im Gesundheitswesen der Standard, weil sie keimwirksamer ist und die Hautbarriere weniger belastet. Bei sichtbarer Verschmutzung muss zuerst gewaschen, dann desinfiziert werden. Bei Sporenbildnern (Clostridioides difficile) und unbehüllten Viren (Norovirus) wird beides kombiniert.

Reichen Handschuhe nicht aus? Nein. Handschuhe ersetzen die Händedesinfektion nicht – sie ergänzen sie. Vor und nach dem Tragen von Handschuhen ist eine Händedesinfektion erforderlich.

Warum keine künstlichen Nägel oder Nagellack? Unter künstlichen Nägeln und beschädigtem Lack siedeln sich Mikroorganismen an, die mit der Standard-Händedesinfektion nicht ausreichend inaktiviert werden. Studien belegen ein erhöhtes Übertragungsrisiko.

Was tun bei beanspruchter Haut? Hautschutzplan konsequent einhalten, rückfettende Hautpflegeprodukte einsetzen, ggf. milde Reinigungsmittel verwenden. Bei anhaltenden Hautproblemen Betriebsarzt aufsuchen – berufsbedingte Hauterkrankungen können als Berufskrankheit anerkannt werden.

Welche Wirkstoffe enthalten Händedesinfektionsmittel? Im Gesundheitswesen vor allem Ethanol und Isopropanol in Konzentrationen von 60–80 %. Sie wirken gegen behüllte Viren, Bakterien und Pilze; bei unbehüllten Viren (z. B. Norovirus) sind speziell „begrenzt viruzide PLUS“ oder „viruzide“ Mittel mit verlängerter Einwirkzeit erforderlich.

Wie häufig wird in der Praxis die Hände-Compliance gemessen? Im Rahmen des Qualitätsmanagements können regelmäßige Beobachtungen oder anonymisierte Erhebungen erfolgen. Die Aktion Saubere Hände liefert Materialien und Auditbögen für strukturierte Audits[^1].


Quellen

[^1]: Weltgesundheitsorganisation (WHO): Guidelines on Hand Hygiene in Health Care sowie Five Moments for Hand Hygiene. [^2]: Europäische Norm EN 1500: Chemische Desinfektionsmittel und Antiseptika – Hygienische Händedesinfektion. Beuth Verlag. [^3]: Robert Koch-Institut / KRINKO: Empfehlung Händehygiene in Einrichtungen des Gesundheitswesens, Bundesgesundheitsblatt. [^4]: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin: Technische Regel für Biologische Arbeitsstoffe TRBA 250 – Biologische Arbeitsstoffe im Gesundheitswesen. [^5]: Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen (BioStoffV).


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