Eine vollständige Bewerbungsmappe für eine Ausbildung im Gesundheitswesen besteht in der Regel aus Anschreiben, tabellarischem Lebenslauf und einem geordneten Anlagenteil mit den letzten Schulzeugnissen sowie relevanten Praktikums- und Zertifikatsnachweisen. Inhaltlich erwarten Ausbildungsbetriebe – Arztpraxen, MVZ, Krankenhäuser, Apotheken, Pflegeschulen – darüber hinaus eine erkennbare Berufsmotivation, einen sauberen Sprachstand und Hinweise auf Erfahrungen mit Patientenkontakt (Praktikum, FSJ, Pflegeerfahrung in der Familie, ehrenamtliche Tätigkeit). Diese Erwartung gilt für duale Berufe (MFA, ZFA, PKA) ebenso wie für schulische Ausbildungen (Pflege, Therapie, MT-Berufe).
Kurz & knapp
- Pflichtbestandteile: Anschreiben (1 Seite), tabellarischer Lebenslauf (1–2 Seiten), Anlagen (Zeugnisse + Nachweise)
- Form: Schriftbild Times New Roman 11/12 pt oder serifenlose Schrift wie Arial / Calibri 10/11 pt; Schwarz auf Weiß; einheitliche Schrift in allen Dokumenten
- Bewerbungsfoto: freiwillig (AGG); wenn ja, professionell, einheitlicher Hintergrund, aktuelles Foto
- Adressierung: persönlich an die für Personal zuständige Person (Praxisinhaber, Personalleitung)
- Online-Bewerbung: eine PDF-Datei mit Anschreiben + Lebenslauf + Anlagen, max. 5–10 MB, sprechender Dateiname
- Fristen: für Ausbildungsbeginn 1. August / 1. September gelten Bewerbungszeiträume meist von September des Vorjahres bis Frühjahr des laufenden Jahres
- Rechtsrahmen: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG): keine Pflichtangaben zu Religion, Familienstand, Geburtsort, Foto[^1]
Bestandteile der Bewerbung
Anschreiben
- Maximal eine DIN-A4-Seite
- in der Regel zwischen 250 und 400 Wörtern
- klar gegliedert in Briefkopf, Empfängeranschrift, Datum, Betreffzeile, Anrede, drei Inhaltsabschnitte und Grußformel mit Unterschrift
Lebenslauf
- tabellarischer Aufbau, ein bis maximal zwei Seiten
- chronologisch aufsteigend oder absteigend; bei Schulabsolventen ist die absteigende Reihenfolge üblich (aktuelle Stationen zuerst)
- vollständig und lückenlos – Lücken kurz und sachlich erklären
Anlagen / Zeugnisse
- die letzten ein bis zwei Schulzeugnisse (in der Regel als Kopie ausreichend; auf Verlangen beglaubigt)
- bei vorliegendem Schulabschluss das Abschlusszeugnis
- Praktikumsbescheinigungen und Beurteilungen, insbesondere mit Bezug zum Gesundheitswesen
- Zertifikate wie Erste-Hilfe-Kurs, FSJ/BFD-Bescheinigung, Sprachnachweise, Sportabzeichen
- bei minderjährigen Bewerberinnen und Bewerbern: ärztliche Erstuntersuchung nach Jugendarbeitsschutzgesetz (§ 32 JArbSchG)[^2] – wird häufig erst nach Vertragszusage angefordert
Das Anschreiben
Aufbau
- Briefkopf oben links oder rechts mit Name, Anschrift, Telefon, E-Mail
- Empfängerblock mit voller Anschrift des Ausbildungsbetriebs und konkreter Ansprechperson
- Datum rechtsbündig (DIN 5008-konform: TT. Monatsname JJJJ)
- Betreffzeile ohne Wort „Betreff“, z. B. „Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Medizinische Fachangestellte zum 1. August 2026“
- Anrede persönlich („Sehr geehrte Frau …“ / „Sehr geehrter Herr …“); nur ausnahmsweise „Sehr geehrte Damen und Herren“
- Grußformel „Mit freundlichen Grüßen“ + handschriftliche Unterschrift (bei Online-Bewerbungen eingescannt)
Inhalt
Das Anschreiben sollte drei Fragen beantworten:
- Warum dieser Beruf? Konkrete Motivation, idealerweise mit Bezug zu eigener Erfahrung (Praktikum, FSJ, familiäres Umfeld, persönliche Patientenerfahrung)
- Warum dieser Betrieb? Verweis auf Schwerpunkte, Spezialisierung, Region, Praxisteam – belegt durch Recherche auf der Praxiswebsite oder in einem Vorgespräch
- Was bringe ich mit? Schulische Stärken (Fächer, Noten), persönliche Eigenschaften (Sorgfalt, Empathie, Belastbarkeit), bereits erworbene Kompetenzen (PC-Kenntnisse, Sprachen, Erste-Hilfe-Kurs)
Fehler vermeiden
- Rechtschreib- und Grammatikfehler (gegenlesen lassen, Rechtschreibprüfung nutzen)
- falsche Empfängeradresse oder Anrede
- Standardanschreiben ohne Bezug zum Betrieb
- übertriebene Selbstdarstellung oder pauschale Aussagen
- fehlende Unterschrift bei postalischer Bewerbung
Der Lebenslauf
Aufbau
Üblich ist die folgende Reihenfolge:
- Persönliche Daten: Vor- und Nachname, Anschrift, Telefon, E-Mail; Geburtsdatum und -ort sowie Staatsangehörigkeit sind nach AGG freiwillig, in der Praxis aber verbreitet[^1]
- Schulische Bildung: Schule, Ort, Zeitraum, angestrebter oder erreichter Abschluss
- Praktische Erfahrungen: Praktika, FSJ/BFD, Nebenjobs, ehrenamtliche Tätigkeiten
- Kenntnisse: Sprachen (Niveau nach GER), EDV-Kenntnisse, ggf. Führerschein
- Interessen / Engagement: Vereine, Sport, Hobbys, soziales Engagement
- Ort, Datum, Unterschrift am Ende
Tipps
- übersichtliche Gestaltung mit klarer Spalten- oder Tabellenstruktur
- relevante Inhalte (z. B. Praktikum in einer Arztpraxis) hervorheben, ggf. mit kurzen Tätigkeitsbeschreibungen
- aktuelles Datum verwenden; bei wiederholter Versendung mehrerer Bewerbungen jedes Mal anpassen
- maximal zwei Seiten – bei Schulabsolventen meist eine Seite ausreichend
Anlagen und Nachweise
Schulzeugnisse
- in der Regel die letzten zwei Schulzeugnisse als Kopie
- bei vorliegendem Abschluss das Abschlusszeugnis (auch in Kopie)
- Beglaubigungen sind nur erforderlich, wenn der Betrieb sie ausdrücklich verlangt; im laufenden Bewerbungsprozess häufig nicht nötig
Praktikumsnachweise
- Bescheinigungen über Berufspraktika in Praxen, Kliniken, Apotheken oder Pflegeeinrichtungen
- Beurteilungen mit Tätigkeitsbeschreibungen
- Praxisnähe ist ein wichtiges Auswahlkriterium für medizinische Ausbildungen; ein einschlägiges Praktikum erhöht die Einladungswahrscheinlichkeit deutlich
Weitere Dokumente
- Erste-Hilfe-Kurs (idealerweise nicht älter als zwei Jahre)
- FSJ/BFD- oder Bundesfreiwilligendienst-Bescheinigungen
- Sprachzertifikate (z. B. Goethe, telc, Cambridge)
- Bescheinigungen über Lehrgänge, Schul-AGs, Sportabzeichen
- Bewerbungsfoto ist nach AGG nicht vorgeschrieben; wenn beigefügt, professionell und aktuell[^1]
Online-Bewerbung
E-Mail-Bewerbung
- aussagekräftiger Betreff: „Bewerbung um Ausbildungsplatz Medizinische Fachangestellte – Vorname Nachname“
- kurzer, höflicher Anschreibetext in der E-Mail (keine bloße „Bewerbung anbei.“)
- eine PDF-Datei mit Anschreiben + Lebenslauf + Anlagen in der Reihenfolge der Bewerbungsmappe
- Dateigröße max. 5–10 MB; Dateiname sprechend (z. B.
BewerbungMaxMustermannMFA_2026.pdf) - Versand vom Bewerber-E-Mail-Konto, idealerweise mit seriöser Adresse (Vorname.Nachname@…)
Bewerbungsportale
- Pflichtfelder vollständig ausfüllen; auch hier auf Rechtschreibung achten
- Dokumente in der vom Portal vorgegebenen Reihenfolge hochladen
- Bewerbungsfristen genau beachten; viele Krankenhäuser und Pflegeschulen schließen Auswahlverfahren bereits Monate vor Ausbildungsbeginn
Karriere-Plattformen
- Plattformen wie azubi.de, ausbildung.de, Indeed oder die Lehrstellenbörse der jeweiligen Kammer eignen sich zur Suche nach Ausbildungsplätzen
- viele Plattformen ermöglichen eine direkte Bewerbung; auch hier sollten die hochgeladenen Unterlagen den oben beschriebenen Standards entsprechen
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Brauche ich ein Bewerbungsfoto? Nein. Nach dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz ist ein Foto nicht verpflichtend; viele Praxen erwarten es jedoch weiterhin. Wenn beigefügt, sollte es professionell und aktuell sein (kein Urlaubs- oder Selfie-Foto)[^1].
Wie lang darf das Anschreiben sein? Eine DIN-A4-Seite, in der Regel 250–400 Wörter. Längere Anschreiben werden meist nicht gelesen.
Welche Schulzeugnisse muss ich beilegen? Die letzten ein bis zwei Schulzeugnisse als Kopie reichen üblicherweise aus. Liegt das Abschlusszeugnis schon vor, ergänzt es die jüngsten Halbjahreszeugnisse.
Wann sollte ich mich für eine Ausbildung 2026 bewerben? Spätestens 6–9 Monate vor Ausbildungsbeginn. Größere Krankenhäuser, Pflegeschulen und Apotheken schließen Auswahlverfahren bereits im Herbst/Winter des Vorjahres ab; Arztpraxen entscheiden häufig kurzfristiger.
Darf ich auf Initiativ-Bewerbungen setzen? Ja. Insbesondere für Arzt- und Zahnarztpraxen sind Initiativ-Bewerbungen üblich; viele Stellen werden nicht öffentlich ausgeschrieben. Vorab telefonisch nach Ausbildungsbedarf fragen ist empfehlenswert.
Was, wenn ich keine medizinische Vorerfahrung habe? Praktikumserfahrung – auch in fachfremden Bereichen mit Patientenkontakt (Apotheke, Pflegeheim, Sanitätsdienst, FSJ) – stärkt die Bewerbung. Alternativ kann das Anschreiben die Motivation auf Basis persönlicher Erfahrungen oder schulischer Schwerpunkte plausibel machen.
Sollte die Bewerbung auf Papier oder online erfolgen? In der Regel online als PDF-Anhang an die im Stellenangebot genannte E-Mail-Adresse. Postalische Bewerbungen sind in einigen Praxen weiterhin üblich; im Stellenangebot wird der Wunsch in der Regel angegeben.
Quellen
[^1]: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) vom 14. August 2006.
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