Berufsspezifisch Mfa Vertiefung Labor und Diagnostik in der MFA-Ausbildung

Labor und Diagnostik in der MFA-Ausbildung

Labor- und Diagnostiktätigkeiten in der Arztpraxis: Präanalytik, Blutentnahme, Probenversand, Schnelltests, Funktionsdiagnostik und Qualitätsmanagement nach RiliBÄK – Aufgaben und Standards für MFA.

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Updated: 2026-08-07

Die Labor- und Diagnostiktätigkeiten sind Kernbestandteil der MFA-Aufgaben und werden in nahezu jeder Praxis durchgeführt. Sie umfassen die Präanalytik (Probengewinnung und -vorbereitung), die Praxisdiagnostik (Schnelltests und einfache Laborverfahren) sowie die Funktionsdiagnostik (EKG, Lungenfunktion, Sonografie). Maßgeblich für die Qualität der Laborergebnisse ist die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (RiliBÄK)1; Hygiene und Arbeitsschutz folgen den RKI-/KRINKO-Empfehlungen und der Biostoffverordnung23.


Kurz & knapp

- Rechtsgrundlage: RiliBÄK (Qualitätssicherung Labor)1; Biostoffverordnung (Arbeitsschutz)3; KRINKO-Empfehlungen (Hygiene)2
- Drei Aufgabenfelder: Präanalytik · Praxisdiagnostik · Funktionsdiagnostik
- Präanalytik-Schwerpunkte: Patientenidentifikation, korrekte Reihenfolge der Blutröhrchen, sachgerechte Lagerung und Transport
- Schnelltests: Urinstatus, Blutzucker, CRP, Streptokokken-A, Influenza, COVID-19, Schwangerschaftstest
- Funktionsdiagnostik: Ruhe-EKG, Langzeit-EKG/RR, Lungenfunktion, Audiometrie, Sonografie-Assistenz
- Qualitätssicherung: interne Kontrolle und externe Ringversuche nach RiliBÄK; Dokumentation aller Kontrollen
- Arbeitsschutz: Stichschutz-Kanülen, sichere Entsorgung, Hepatitis-B-Impfung, regelmäßige Unterweisungen

Präanalytik – Proben gewinnen und vorbereiten

Identifikation und Beschriftung

  • Identitätsprüfung vor jeder Probenentnahme: Name, Geburtsdatum, Versichertendaten direkt vom Patienten erfragen
  • Beschriftung der Probenröhrchen mit Patientendaten und ggf. Barcode unmittelbar vor der Entnahme – nicht erst danach
  • Verwechslungen sind die häufigste Fehlerquelle in der Präanalytik und führen zu schweren Folgen1

Blutentnahme

  • Vorbereitung: Stauschlauch, Hautdesinfektion (Einwirkzeit nach Hersteller, in der Regel 30 Sekunden), sterile Kanüle bzw. Sicherheitskanüle, geeignete Röhrchenreihenfolge
  • Reihenfolge der Röhrchen (CLSI-/BD-Empfehlung): Blutkulturen → Citrat → Serum → Heparin → EDTA → Glukose-Stabilisator
  • Punktion: in der Regel Vena mediana cubiti; alternativ V. cephalica oder V. basilica
  • Stauzeit unter 1 Minute halten, da längeres Stauen Werte verfälscht (z. B. Kalium, Hämoglobin)
  • nach Punktion: Kanüle mit Stichschutz aktivieren, sicher entsorgen, Punktionsstelle komprimieren

Urin und Abstriche

  • Mittelstrahlurin mit Patientenanleitung; Probe innerhalb von 2 Stunden verarbeiten oder kühl lagern
  • Abstriche (Rachen, Nase, Wundabstrich) nach standardisierter Technik mit angepassten Tupfersystemen
  • Stuhlproben in Spezialröhrchen, Kühlung bei längeren Transportzeiten
  • Liquor- oder Punktatproben kommen in der Praxis selten vor; sterile Abnahme zwingend

Lagerung und Versand

  • Stabilität der Analyte beachten: Glukose verändert sich rasch, daher Glukose-Stabilisatorröhrchen oder schnelle Verarbeitung
  • Kühlkette für gekühlt zu transportierende Proben einhalten (Bote, Kurier, Versandtaschen mit Kühlakku)
  • Einsendeformular vollständig ausfüllen: Patienten-ID, Diagnose (ICD-10-GM), gewünschte Analysen, Abrechnungsstatus, Datum/Uhrzeit der Entnahme
  • Versandbedingungen der Laborgefahrgut-Verpackung (UN3373) beachten

Praxisdiagnostik (Schnelltests und einfache Laborverfahren)

Häufige in der Praxis durchgeführte Tests:

  • Urinstatus mit Teststreifen (pH, Glukose, Eiweiß, Nitrit, Leukozyten, Erythrozyten, Ketone)
  • Blutzucker und HbA1c im Rahmen der Diabetes-Versorgung (DMP)
  • CRP-Schnelltest zur Differenzierung viraler vs. bakterieller Infektion
  • Streptokokken-A-Antigentest bei Pharyngitis
  • Influenza-/RSV-/COVID-19-Schnelltest in der Saison
  • Schwangerschaftstest (Urin)
  • D-Dimer (qualitativ) bei klinischem Verdacht auf VTE in spezialisierten Praxen

Qualitätskontrolle nach RiliBÄK

  • interne Qualitätskontrolle: tägliche Messung von Kontrollproben mit bekannten Werten; Eintragung in das Kontrollprotokoll1
  • externe Qualitätskontrolle: vierteljährliche Ringversuche bei Referenzlaboren (z. B. INSTAND, Referenzinstitut für Bioanalytik)
  • Dokumentation aller Kontrollergebnisse für mindestens 5 Jahre
  • bei Abweichungen: Fehlersuche, ggf. Wartung des Geräts, Wiederholung der Kontrolle

Funktionsdiagnostik

In Hausarzt- und Facharztpraxen häufige Verfahren:

  • Ruhe-EKG (12 Ableitungen): korrekte Elektrodenplatzierung (Brustwand C1–C6, Extremitäten); ruhige Lagerung
  • Belastungs-EKG (Ergometrie): Mitwirkung bei Anschluss, Überwachung von Blutdruck und Puls; Notfallausstattung griffbereit
  • Langzeit-EKG / Langzeit-Blutdruckmessung: Anlegen, Aufklärung des Patienten über Tragezeit und Tagebuch, Auswertung und Übertragung
  • Lungenfunktion (Spirometrie): korrekte Atemmanöver anleiten, Kalibrierung des Geräts, Auswahl Norm-Werte
  • Audiometrie: Tonschwellenbestimmung in schallgedämpfter Umgebung
  • Sonografie-Assistenz: Vorbereitung des Geräts, Patientenlagerung, Bildspeicherung
  • 24-h-Blutdruckmessung nach AABP-Kriterien
Bei Funktionsdiagnostik ist die Mitarbeit der MFA bei Aufzeichnung und Standardisierung entscheidend für die Aussagekraft der Befunde; die ärztliche Befundinterpretation bleibt dem Arzt vorbehalten.


Hygiene und Arbeitsschutz

Infektionsschutz

  • Handschuhe bei Kontakt mit Blut, Sekreten oder Schleimhäuten
  • Schutzbrille / Gesichtsschutz bei Spritzgefahr
  • Kittel oder Schutzkleidung bei größeren Eingriffen oder kontaminierender Tätigkeit
  • Hepatitis-B-Impfung für medizinisches Personal nach STIKO-Empfehlung
  • regelmäßige Unterweisung nach § 14 BioStoffV3

Stich- und Schnittverletzungen

  • ausschließlich Sicherheitskanülen mit aktiviertem Stichschutz nach Gebrauch
  • kein Recapping (Wiederaufsetzen der Kappe auf benutzte Kanülen)
  • stich- und durchwurfsichere Abwurfbehälter unmittelbar am Arbeitsplatz
  • bei Stichverletzung: Blutung anregen, Wunde desinfizieren, Durchgangsarzt aufsuchen, Vorfall dokumentieren

Entsorgung

  • kontaminierte Materialien nach Praxis-Hygieneplan in entsprechenden Risikoabfall-Behältern
  • AS 18 01 03 für infektiöse Abfälle nach Abfallrichtlinie (TRBA 250/RKI-Empfehlung)
  • nicht infektiöse Verbrauchsmaterialien (z. B. Verbände, Tupfer ohne sichtbare Kontamination) im Restmüll

Häufige Fehler und Stolpersteine

  • falsche Beschriftung oder Verwechslung von Proben
  • falsche Reihenfolge der Blutröhrchen mit Folge fehlerhafter Werte
  • zu lange Stauzeit oder zu starkes Stauen (Hämolyse, falsche Kalium- und Hb-Werte)
  • ungekühlte Probenlagerung temperatursensibler Analyte
  • fehlende Angaben auf dem Einsendeformular (Diagnose, Tagesform, Medikation)
  • Qualitätskontrollen nicht regelmäßig durchgeführt oder nicht dokumentiert
  • Unzureichende Patienten-Aufklärung vor der Entnahme (z. B. Nüchternheit, Tageszeit)

Lernen in der Ausbildung

  • interne Standards der eigenen Praxis kennen: Hygieneplan, Laborhandbuch, Notfallplan
  • klären: welche Untersuchungen werden vor Ort durchgeführt, welche gehen in ein externes Labor?
  • wer ist verantwortlich für die interne und externe Qualitätskontrolle?
  • bei kritischen Befunden: Eskalationsweg zum Arzt definieren
  • regelmäßiges Üben der Blutentnahme, ggf. mit Schulungsarm
  • Fortbildungen zur Funktionsdiagnostik (z. B. EKG-Schulungen der KV oder Ärztekammer)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Probenarten werden in der Praxis am häufigsten verarbeitet? Blutproben (Serum, EDTA, Citrat) und Urinproben dominieren. Hinzu kommen Abstriche, Stuhl- und Sputumproben sowie Punktate in spezialisierten Praxen.

Was ist die richtige Reihenfolge der Blutröhrchen? Nach CLSI-/BD-Empfehlung: Blutkulturen → Citrat (z. B. blau) → Serum (rot/braun) → Heparin (grün) → EDTA (lila) → Glukose-/Fluorid-Stabilisator (grau). Diese Reihenfolge minimiert Kreuzkontaminationen zwischen Zusatzstoffen.

Wie lange dürfen Blutproben gelagert werden? Das hängt vom Analyt ab: Vollblut für Blutbild ist 24 h bei Raumtemperatur stabil, für Glukose nur wenige Minuten ohne Stabilisator. Die Herstellerangaben des Labors sind verbindlich.

Welche Schnelltests sind in der Hausarztpraxis üblich? Urinstatus, CRP, Blutzucker, HbA1c, Streptokokken-A, Influenza/COVID-19/RSV in der Saison, Schwangerschaftstest. Die Geräte unterliegen der RiliBÄK1.

Was ist die RiliBÄK? Die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen definiert Mindestanforderungen an interne und externe Qualitätskontrolle, Dokumentation und Personalqualifikation in praxisinternen Laboren1.

Was tun bei einer Stichverletzung mit kontaminierter Kanüle? Wunde bluten lassen, mit Wasser und Seife reinigen, mit Hautdesinfektionsmittel desinfizieren, Durchgangsarzt zur Erstuntersuchung aufsuchen (Hepatitis-B/-C/HIV-Risikobewertung), Vorfall dokumentieren und der Berufsgenossenschaft melden.

Welche Impfungen sind für MFA mit Laborkontakt empfohlen? Hepatitis B (Pflichtangebot des Arbeitgebers nach BioStoffV), Influenza, COVID-19 und Pertussis-Booster entsprechend der jeweils aktuellen STIKO-Empfehlung3.


Quellen

  1. Bundesärztekammer: Richtlinie zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (RiliBÄK). https://www.bundesaerztekammer.de
  2. Robert Koch-Institut / KRINKO: Empfehlungen zur Hygiene in Praxen ambulant operierender Einrichtungen und Arztpraxen. https://www.rki.de
  3. Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen (BioStoffV). https://www.gesetze-im-internet.de/biostoffv_2013/

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