Berufsspezifisch Mfa Vertiefung Labor und Diagnostik in der MFA-Ausbildung

Labor und Diagnostik in der MFA-Ausbildung

Labor- und Diagnostiktätigkeiten in der Arztpraxis: Präanalytik, Blutentnahme, Probenversand, Schnelltests, Funktionsdiagnostik und Qualitätsmanagement nach RiliBÄK – Aufgaben und Standards für MFA.

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Updated: 2026-05-07

Die Labor- und Diagnostiktätigkeiten sind Kernbestandteil der MFA-Aufgaben und werden in nahezu jeder Praxis durchgeführt. Sie umfassen die Präanalytik (Probengewinnung und -vorbereitung), die Praxisdiagnostik (Schnelltests und einfache Laborverfahren) sowie die Funktionsdiagnostik (EKG, Lungenfunktion, Sonografie). Maßgeblich für die Qualität der Laborergebnisse ist die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (RiliBÄK)[^1]; Hygiene und Arbeitsschutz folgen den RKI-/KRINKO-Empfehlungen und der Biostoffverordnung[^2][^3].


Kurz & knapp

- Rechtsgrundlage: RiliBÄK (Qualitätssicherung Labor)[^1]; Biostoffverordnung (Arbeitsschutz)[^3]; KRINKO-Empfehlungen (Hygiene)[^2]
- Drei Aufgabenfelder: Präanalytik · Praxisdiagnostik · Funktionsdiagnostik
- Präanalytik-Schwerpunkte: Patientenidentifikation, korrekte Reihenfolge der Blutröhrchen, sachgerechte Lagerung und Transport
- Schnelltests: Urinstatus, Blutzucker, CRP, Streptokokken-A, Influenza, COVID-19, Schwangerschaftstest
- Funktionsdiagnostik: Ruhe-EKG, Langzeit-EKG/RR, Lungenfunktion, Audiometrie, Sonografie-Assistenz
- Qualitätssicherung: interne Kontrolle und externe Ringversuche nach RiliBÄK; Dokumentation aller Kontrollen
- Arbeitsschutz: Stichschutz-Kanülen, sichere Entsorgung, Hepatitis-B-Impfung, regelmäßige Unterweisungen

Präanalytik – Proben gewinnen und vorbereiten

Identifikation und Beschriftung

  • Identitätsprüfung vor jeder Probenentnahme: Name, Geburtsdatum, Versichertendaten direkt vom Patienten erfragen
  • Beschriftung der Probenröhrchen mit Patientendaten und ggf. Barcode unmittelbar vor der Entnahme – nicht erst danach
  • Verwechslungen sind die häufigste Fehlerquelle in der Präanalytik und führen zu schweren Folgen[^1]

Blutentnahme

  • Vorbereitung: Stauschlauch, Hautdesinfektion (Einwirkzeit nach Hersteller, in der Regel 30 Sekunden), sterile Kanüle bzw. Sicherheitskanüle, geeignete Röhrchenreihenfolge
  • Reihenfolge der Röhrchen (CLSI-/BD-Empfehlung): Blutkulturen → Citrat → Serum → Heparin → EDTA → Glukose-Stabilisator
  • Punktion: in der Regel Vena mediana cubiti; alternativ V. cephalica oder V. basilica
  • Stauzeit unter 1 Minute halten, da längeres Stauen Werte verfälscht (z. B. Kalium, Hämoglobin)
  • nach Punktion: Kanüle mit Stichschutz aktivieren, sicher entsorgen, Punktionsstelle komprimieren

Urin und Abstriche

  • Mittelstrahlurin mit Patientenanleitung; Probe innerhalb von 2 Stunden verarbeiten oder kühl lagern
  • Abstriche (Rachen, Nase, Wundabstrich) nach standardisierter Technik mit angepassten Tupfersystemen
  • Stuhlproben in Spezialröhrchen, Kühlung bei längeren Transportzeiten
  • Liquor- oder Punktatproben kommen in der Praxis selten vor; sterile Abnahme zwingend

Lagerung und Versand

  • Stabilität der Analyte beachten: Glukose verändert sich rasch, daher Glukose-Stabilisatorröhrchen oder schnelle Verarbeitung
  • Kühlkette für gekühlt zu transportierende Proben einhalten (Bote, Kurier, Versandtaschen mit Kühlakku)
  • Einsendeformular vollständig ausfüllen: Patienten-ID, Diagnose (ICD-10-GM), gewünschte Analysen, Abrechnungsstatus, Datum/Uhrzeit der Entnahme
  • Versandbedingungen der Laborgefahrgut-Verpackung (UN3373) beachten

Praxisdiagnostik (Schnelltests und einfache Laborverfahren)

Häufige in der Praxis durchgeführte Tests:

  • Urinstatus mit Teststreifen (pH, Glukose, Eiweiß, Nitrit, Leukozyten, Erythrozyten, Ketone)
  • Blutzucker und HbA1c im Rahmen der Diabetes-Versorgung (DMP)
  • CRP-Schnelltest zur Differenzierung viraler vs. bakterieller Infektion
  • Streptokokken-A-Antigentest bei Pharyngitis
  • Influenza-/RSV-/COVID-19-Schnelltest in der Saison
  • Schwangerschaftstest (Urin)
  • D-Dimer (qualitativ) bei klinischem Verdacht auf VTE in spezialisierten Praxen

Qualitätskontrolle nach RiliBÄK

  • interne Qualitätskontrolle: tägliche Messung von Kontrollproben mit bekannten Werten; Eintragung in das Kontrollprotokoll[^1]
  • externe Qualitätskontrolle: vierteljährliche Ringversuche bei Referenzlaboren (z. B. INSTAND, Referenzinstitut für Bioanalytik)
  • Dokumentation aller Kontrollergebnisse für mindestens 5 Jahre
  • bei Abweichungen: Fehlersuche, ggf. Wartung des Geräts, Wiederholung der Kontrolle

Funktionsdiagnostik

In Hausarzt- und Facharztpraxen häufige Verfahren:

  • Ruhe-EKG (12 Ableitungen): korrekte Elektrodenplatzierung (Brustwand C1–C6, Extremitäten); ruhige Lagerung
  • Belastungs-EKG (Ergometrie): Mitwirkung bei Anschluss, Überwachung von Blutdruck und Puls; Notfallausstattung griffbereit
  • Langzeit-EKG / Langzeit-Blutdruckmessung: Anlegen, Aufklärung des Patienten über Tragezeit und Tagebuch, Auswertung und Übertragung
  • Lungenfunktion (Spirometrie): korrekte Atemmanöver anleiten, Kalibrierung des Geräts, Auswahl Norm-Werte
  • Audiometrie: Tonschwellenbestimmung in schallgedämpfter Umgebung
  • Sonografie-Assistenz: Vorbereitung des Geräts, Patientenlagerung, Bildspeicherung
  • 24-h-Blutdruckmessung nach AABP-Kriterien
Bei Funktionsdiagnostik ist die Mitarbeit der MFA bei Aufzeichnung und Standardisierung entscheidend für die Aussagekraft der Befunde; die ärztliche Befundinterpretation bleibt dem Arzt vorbehalten.


Hygiene und Arbeitsschutz

Infektionsschutz

  • Handschuhe bei Kontakt mit Blut, Sekreten oder Schleimhäuten
  • Schutzbrille / Gesichtsschutz bei Spritzgefahr
  • Kittel oder Schutzkleidung bei größeren Eingriffen oder kontaminierender Tätigkeit
  • Hepatitis-B-Impfung für medizinisches Personal nach STIKO-Empfehlung
  • regelmäßige Unterweisung nach § 14 BioStoffV[^3]

Stich- und Schnittverletzungen

  • ausschließlich Sicherheitskanülen mit aktiviertem Stichschutz nach Gebrauch
  • kein Recapping (Wiederaufsetzen der Kappe auf benutzte Kanülen)
  • stich- und durchwurfsichere Abwurfbehälter unmittelbar am Arbeitsplatz
  • bei Stichverletzung: Blutung anregen, Wunde desinfizieren, Durchgangsarzt aufsuchen, Vorfall dokumentieren

Entsorgung

  • kontaminierte Materialien nach Praxis-Hygieneplan in entsprechenden Risikoabfall-Behältern
  • AS 18 01 03 für infektiöse Abfälle nach Abfallrichtlinie (TRBA 250/RKI-Empfehlung)
  • nicht infektiöse Verbrauchsmaterialien (z. B. Verbände, Tupfer ohne sichtbare Kontamination) im Restmüll

Häufige Fehler und Stolpersteine

  • falsche Beschriftung oder Verwechslung von Proben
  • falsche Reihenfolge der Blutröhrchen mit Folge fehlerhafter Werte
  • zu lange Stauzeit oder zu starkes Stauen (Hämolyse, falsche Kalium- und Hb-Werte)
  • ungekühlte Probenlagerung temperatursensibler Analyte
  • fehlende Angaben auf dem Einsendeformular (Diagnose, Tagesform, Medikation)
  • Qualitätskontrollen nicht regelmäßig durchgeführt oder nicht dokumentiert
  • Unzureichende Patienten-Aufklärung vor der Entnahme (z. B. Nüchternheit, Tageszeit)

Lernen in der Ausbildung

  • interne Standards der eigenen Praxis kennen: Hygieneplan, Laborhandbuch, Notfallplan
  • klären: welche Untersuchungen werden vor Ort durchgeführt, welche gehen in ein externes Labor?
  • wer ist verantwortlich für die interne und externe Qualitätskontrolle?
  • bei kritischen Befunden: Eskalationsweg zum Arzt definieren
  • regelmäßiges Üben der Blutentnahme, ggf. mit Schulungsarm
  • Fortbildungen zur Funktionsdiagnostik (z. B. EKG-Schulungen der KV oder Ärztekammer)

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Welche Probenarten werden in der Praxis am häufigsten verarbeitet? Blutproben (Serum, EDTA, Citrat) und Urinproben dominieren. Hinzu kommen Abstriche, Stuhl- und Sputumproben sowie Punktate in spezialisierten Praxen.

Was ist die richtige Reihenfolge der Blutröhrchen? Nach CLSI-/BD-Empfehlung: Blutkulturen → Citrat (z. B. blau) → Serum (rot/braun) → Heparin (grün) → EDTA (lila) → Glukose-/Fluorid-Stabilisator (grau). Diese Reihenfolge minimiert Kreuzkontaminationen zwischen Zusatzstoffen.

Wie lange dürfen Blutproben gelagert werden? Das hängt vom Analyt ab: Vollblut für Blutbild ist 24 h bei Raumtemperatur stabil, für Glukose nur wenige Minuten ohne Stabilisator. Die Herstellerangaben des Labors sind verbindlich.

Welche Schnelltests sind in der Hausarztpraxis üblich? Urinstatus, CRP, Blutzucker, HbA1c, Streptokokken-A, Influenza/COVID-19/RSV in der Saison, Schwangerschaftstest. Die Geräte unterliegen der RiliBÄK[^1].

Was ist die RiliBÄK? Die Richtlinie der Bundesärztekammer zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen definiert Mindestanforderungen an interne und externe Qualitätskontrolle, Dokumentation und Personalqualifikation in praxisinternen Laboren[^1].

Was tun bei einer Stichverletzung mit kontaminierter Kanüle? Wunde bluten lassen, mit Wasser und Seife reinigen, mit Hautdesinfektionsmittel desinfizieren, Durchgangsarzt zur Erstuntersuchung aufsuchen (Hepatitis-B/-C/HIV-Risikobewertung), Vorfall dokumentieren und der Berufsgenossenschaft melden.

Welche Impfungen sind für MFA mit Laborkontakt empfohlen? Hepatitis B (Pflichtangebot des Arbeitgebers nach BioStoffV), Influenza, COVID-19 und Pertussis-Booster entsprechend der jeweils aktuellen STIKO-Empfehlung[^3].


Quellen

[^1]: Bundesärztekammer: Richtlinie zur Qualitätssicherung laboratoriumsmedizinischer Untersuchungen (RiliBÄK). [^2]: Robert Koch-Institut / KRINKO: Empfehlungen zur Hygiene in Praxen ambulant operierender Einrichtungen und Arztpraxen. [^3]: Verordnung über Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Tätigkeiten mit Biologischen Arbeitsstoffen (BioStoffV).


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